Zirkus Corona Tag 13 - Heimwerken

Wie beruhigt man sich in Zeiten der Krise? Die Yogalehrerin in unserem Haushalt empfiehlt Meditationen. Diese sind ein fester Bestandteil unserer Morgenroutine. Ja ja, hört auf zu lachen. Sind sie natürlich nicht. Wir haben ja Kinder. Gestern hat es die Mama trotzdem versucht – obwohl Loni noch neben ihr im Bett lag. „Stört es dich, wenn ich ein Mantra singe?“, fragte sie und begann auf Sanskrit ein buddhistisches Heilmantra zu singen. Ob es wirkte? Loni bekam einen Lachanfall und hüpft seitdem durch das Haus und ruft: „Bitte Mama, sing nochmal das lustige Lied!“ 

Die Zahlen in Traunstein sind seit gestern auf 120 hochgeschnellt. Dennoch kein Grund zur Panik - die entscheidende Zahl, wieviele Tage das Virus braucht, um die Anzahl der Neuinfizierungen zu verdoppeln, steigt kontinuierlich. Was gut ist.

Nach über einer Woche im Alarmmodus, bin ich zuletzt ruhiger geworden. Jeder, der Zeitung liest, Tagesschau verfolgt und ein, zwei Schritte weiter denkt weiß, welche Herausforderungen auf die Menschen, die Wirtschaft, die ganze Welt noch warten. Aber gleichzeitig steckt in dieser Krise auch unfassbar viel Potential, künftig Dinge anders, richtig zu machen, die bisher als alternativlos galten. Mein Lieblingsbeispiel ist die Einhaltung der CO2 Vereinbarungen , die man bisher für nicht mehr machbar hielt. Ebenso optimistisch hat mich der Artikel eines Zukunftsforschers gestimmt, der aus der Sicht eines im Herbst 2020 lebenden Bilanz zieht, wie sich das Leben durch die Weltvirenkrise verändert hat. Vieles wird gut sein, vieles wird funktionieren, vieles wird uns verändern.  Hier der Link: https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona/

 

Zu Hause tobt weiterhin der Hausaufgabenwahnsinn. Mittags ist Bastian gerade fertig geworden mit dem Tagespensum. In der Arbeit harren wir der Dinge. Die Notfallpläne sind ausgearbeitet, die IT weiter ausgebaut. Möge der Ansturm beginnen. Wobei, er ist ja längst da. 

Wieder zu Hause, werde ich von den Kindern überfallen. Sie haben im Keller die alten Ikea-Stühle auseinandergeschraubt und bauen einen Hasenstall. Wie bitte? Unten höre ich anschließend fröhliches Bohren. Sie haben meinen Werkzeugkasten geplündert und sind nun autodidaktische Schreiner. Na sauber. Bedenkt man, dass ich zwei linke Hände habe und die Werkstatt im Keller mehr dazu dient, den schönen Schein des Kleinbürgertums zu wahren, ist die Katastrophe vorprogrammiert. Bastian schildert mir seinen Plan. Ich betrachte die Einzelteile auf dem Boden. Hm, lässt sich daraus was machen? Kurz darauf bohren und schrauben wir gemeinsam. Ich habe null handwerkliches Talent, aber von meinem Papa eine Prise unerschütterlichen Pragmatismus vererbt bekommen. 

 

Wir zimmern schließlich aus den ehemaligen Stühlen etwas, was man mit etwas Fantasie als Unterstand für die Hasen bezeichnen kann. 

Eigentlich egal, Hauptsache, die Kinder sind begeistert. Wir tragen unser Werk nach draußen. Und siehe da, die Hasen freuen sich auch. Sie hoppeln durch die Streben und freuen sich über ihren neuen Unterstand. 

Klar, es sieht scheiße aus, aber eine gemeinsame Stunde mit den Kindern und glückliche Hasen sind nichts weniger als unbezahlbar! 

 Ach ja, heute gab es Stress, weil sich Loni weigerte, seine Flöten Hausaufgaben zu üben. Nach einem halbstündigen Wutanfall und Fernsehverbot, das sich inzwischen auf 17 Tage hochgeschaukelt hatte, machte er schluchzend ein Angebot: "Wenn ich das Lied fünf Mal spiele, darf ich dann Fernsehen?" So viel am Stück hatte er noch nie geübt, das würde er eh nicht schaffen. Ich sagte zu. Nach der Hälfte merkte er, dass er einen Fehler gemacht hatte. Er meinte, fünf Zeilen, und versuchte einen Rückzieher zu machen. Als er es schließlich doch geschafft hatte, glänzte in seinen Augen nicht nur die Freude, doch noch Fernsehen zu dürfen, sondern auch ein klein wenig Stolz, so fleißig gewesen zu sein. 

 

Das Corona-Elterntagebuch komplett nachlesen:

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