Zirkus Corona Tag 15 - Der große Krach

Heute gab es den ersten üblen Krach. Obwohl zu Hause jeden Tag drei bis vier Stunden gelernt wurde, schafften wir das Wochenpensum nicht. Als sich Bastian trotz einer Woche intensiven Privatunterrichts auch noch beschwerte, dass ihm "nie jemand hilft!", lagen die Nerven blank. So viel Fernsehverbots-Drohungen gab es lange nicht mehr.

Tolle Rezepte von Loni - jetzt noch veganer!
Tolle Rezepte von Loni - jetzt noch veganer!

Während ein Kind beleidigt ins Zimmer polterte und schimpfte, dass „Niemand ihn versteht“, machte das andere Kind seine ersten Schreibübungen. Loni kritzelte seine ersten Buchstaben auf ein Papier und zeigte es begeistert der Mama: „Schau mal! Vegane Rezepte!“. Er kritzelte noch weitere Buchstaben. „Schau mal, Mama: Noch mehr Rezepte! Noch veganer!“ Das andere Kind bockte derweil in seinem Zimmer. Umso enttäuschender, da wir ihn gestern als Dank für sein tolles Lern-Pensum bis um 10 aufbleiben ließen, um „Loko und Kaas“ anzuschauen. Er verputzte währenddessen eine Packung Chips und sprang vor Freude auf dem Sofa. Und nur ganz kurz wurde es peinlich, als er ein Klaas ein Schimpfwort hatte aussprechen hören. Entrüstet schimpfte Bastian: „Er hat gesagt: Corona fickt die Straßen leer!“ „Fegt!“, korrigierte ich ihn. „Corona fegt die Straßen leer.“

Der Held der Arbeit...
Der Held der Arbeit...

Die Lage in Traunstein heute weiterhin optimistisch angespannt. Inzwischen 142 bestätigte Corona-Fälle. Darunter der erste in meiner Arbeit. Da sich inzwischen jeder penibel an die Infektionsschutz-Bestimmungen hält und gut aufgeklärt sind, blieben alle entspannt. Derzeit ist der Zusammenhalt in der Arbeit groß wie nie und ein nettes Foto von mir beim Aushelfen landete im bundesweiten Intranet. Seitdem habe ich den Spitznamen „Held der Arbeit“ (Achtung Ironie!).

 

Heute habe ich ein seltsames Gespräch eines Nachbarn überhört. Der Nachbar, der vermutlich mehr Hirnschmalz, definitiv aber mehr Doktortitel hat als ich, erklärte: Es müssen sich 50 Prozent der Bevölkerung am Virus infizieren, damit die Verbreitung gestoppt werden kann. Er beschwerte sich darüber, dass "die" sich inzwischen ein wenig beeilen müssten, weil beim jetzigen Tempo der Infizierungen würde die Immunisierung der Bevölkerung eine halbe Ewigkeit dauern. Halleluja, das darf doch nicht wahr sein, es gibt noch immer Anhänger der Herdenimmunitätstheorie... Am liebsten hätte ich über die Hecke geschrien, dass das erstens keine Krise von "denen" ist, sondern von uns allen. Und zweitens, ob er sich einmal die Mühe gemacht hat, auszurechnen, wie viele Tore es geben wird, wenn "die" zulassen, dass sich 40 Millionen Deutsche innerhalb weniger Wochen gegenseitig anstecken? Bei der aktuell sensationell niedrigen Sterberate von nur 0,5% wären es dennoch 200000 Tote! Und vermutlich wesentlich mehr, weil - siehe Italien und bald USA - das gesamte Gesundheitssystem kollabieren würde. Fuck you Herdenimmunität, echt! Könnte da nicht jemand mal einen Wutausbruch posten? 

Neues Gemüsebeet für Karotten, neuer Unterstand - glückliche Hasen!
Neues Gemüsebeet für Karotten, neuer Unterstand - glückliche Hasen!

Ach ja, was ich heute so lange im Garten gemacht habe? Zum einen habe ich die Hasen beobachtet, wie sie glücklich im neuen selbstgezimmerten Unterstand hockten. Und ich habe ein neues Beet angelegt. Beete Anlegen ist das Klopapierhamstern des Veganers. Ja, wir ziehen es jetzt doch noch bis Ostern durch. So oder so, es scheint mir in diesen Zeiten sinnvoller denn je, einen üppigen Selbstversorgergarten anzulegen. Ob es klappt? Ich halte euch auf dem Laufenden!

 

Ein kleines Zwischenfazit nach zwei Wochen „Corona-Ferien“: Das Pensum der Hausaufgaben ist kaum zu schaffen. Der Elternteil, der zu Hause bleibt, steht freitags kurz vor dem Burn-Out. Nächste Woche bin ich wieder dran. Juhu. Die Kinder machen sich gut. Sie sind irgendwie unglaublich groß geworden in den letzten zwei Wochen. Kein Wunder bei den ernsten Gesprächen und Logo-Nachrichten, die wir ihnen nicht vorenthalten. Bastian sprach heute aus, was wir alle vier uns dachten: „Ich hasse dieses Virus!“ Und Loni fügte hinzu: „Und ich vermisse meine Oma und meinen Opa!“ 

Das Corona-Elterntagebuch komplett nachlesen:

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