Wanderung über die Bründlingalm zum Hochfelln mit den Kindern

Die klassische Traunsteiner Bergwanderung führt hinauf zur Bründlingalm. Und wer noch Schmalz in den Beinen hat, wandert weiter hinauf bis zum Lieblingsgipfel der Traunsteiner, dem Hochfelln. Mit den Kindern waren wir schon oft auf der Bründlingalm. Wer unsere gehfaulen Jungs kennt weiß, dass wir eine Bergtour auf den Hochfelln hinauf nie geplant hätten. Unsere Kinder haben es gestern trotzdem bis zum Gipfel und wieder hinuntergeschafft – ohne zu jammern!

Ob es meine Kinder mit fünf beziehungsweise sieben Jahren zu Fuß auf den Hochfelln schaffen, hätte ich bisher immer verneint. Wie es uns dennoch gelungen ist, aus unseren Kleinen echte Bergsteiger zu machen, war einigen Zufällen geschuldet.

Eigentlich wollten wir auf eine ganz andere Alm in Ruhpolding, fanden aber den Wanderparkplatz und steuerten schließlich die Steinbergalm an. Dort gibt es beim Gasthaus einen großen Parkplatz, der aber inzwischen 3 Euro kostet (wenn man dort nicht einkehrt). Von der Steinbergalm aus erreicht man in wirklich kurzer Zeit die Bründlingalm, es ist also eine ideale Wanderung für gehfaule oder schlecht gelaunte Kinder.

 

Da wir schon eine Weile im Auto herumgeirrt waren, erlebte ich ein kleines Wunder: Die Kinder rannten buchstäblich den Weg nach oben. Sie rannten an der Hocherbalm vorbei, durch den Wald und entschieden sich für die Strecke über die Mittelstation der Hochfellnbahn. Leo schrie immer wieder „Ich liebe dieses Bergsteigen! Papa, ich will jeden Tag auf diesen Berg gehen!“ Sowas hatte ich überhaupt noch nie erlebt. Vielleicht lieben die Kinder die Wanderung auf die Bründling auch so, weil man nach der Hälfte schon die Almen sieht und die Aussicht auf Kaiserschmarrn die Kinderfüße beflügelt. 



Unsere so unerwartet hochmotivierten Kinder hatten zur Folge, dass wir schon nach einer guten halben Stunde die Bründlingalm erreichten. Die Kinder marschierten schnurstracks Richtung Wirt. Aber da hatten sie die Rechnung ohne die Mama gemacht. Die spürte den Sehnsuchts-Ruf nach dem Gipfel lauter in sich als jemals zuvor. Die Kinder waren motiviert und der Hochfelln-Gipfel nur eineinhalb Stunden entfernt. „Kinder, wir gehen zum Gipfel!“, beschloss sie.

Ich erinnerte mich an die vergangenen Jammer-Dramen auf jedem, wirklich jeder Alm, auf der wir zuletzt gewesen waren. Aber ein paar Meter weiter zu wandern, schadete ja niemanden. Die Kinder waren nicht mehr ganz so begeistert, dass die Wanderung weiterging. Wir versprachen ihnen, dass beide am Gipfel Spezi trinken dürften, und schon waren sie wieder Feuer und Flamme.

Wir wanderten weiter und ließen die Bründlingalmen unter uns. Schon nach wenigen Metern erstreckte sich vor uns eine herrliche Aussicht auf den Chiemsee. Ich ärgerte mich. Wie oft hatte ich mich die letzten Jahre direkt in den Biergarten gesetzt, dabei hätte ich nur wenige hundert Meter weiter gehen müssen für diese herrliche Aussicht? Ich war gespannt, welche Wunder uns noch begegnen würden. 

 

Die Wanderung ist für Kinder ab fünf Jahren durchaus machbar. Wenn auch unser Jüngster an einigen der steinigen Passagen seine Kletterkünste unter Beweis stellen musste. Aber wieder zeigte es sich, dass eine komplexe Wandertour Kinder leichter bewältigen als eine eintönige Forststraße.

 

In mehreren großen Kehren führt der Weg den Hochfelln hinauf. Nach einer knappen Stunde erreichten wir den Grat und wurden mit einer wunderbaren Aussicht auf die Rupoldinger Hausberge und das ferne Heutal belohnt. Da nun die Gipfel-Wirtschaft in Aussicht war, konnten auch die letzten Kraftreserven der Kinder noch einmal aktiviert werden.

 

Bei der Hochfelln-Wanderung muss man allerdings wissen, dass man nicht allein ist. Da eine Seilbahn auf den Gipfel führt, begegnet man den klassischen Tagestouristen in Turnschuhen und Jeans und einer von denen war diesmal ich. Wie gesagt, ich hatte nicht gedacht, dass wir heute auf den Hochfelln hinaufgehen werden. Der Vorteil aber ist, dass es oben eine Gastwirtschaft gibt und man Kinder wie die unseren mit der Aussicht auf ein warmes Essen und zuckerhaltigen Getränken so ungefähr überall hinlocken kann.

 

Am Gipfelkreuz verweilten wir nur kurz, weil die Schlange für das obligatorische Gipfel-Selfie zu lange war. Außerdem freuten sich die Kinder auf den Wirt.

 

Im Biergarten oben hatte man wieder die herrliche Aussicht auf den Chiemsee, Traunstein und in der Ferne sah man sogar meinen heimatlichen Rupertiwinkel. Wie überall mussten wir während der Corona-Zeit unsere Gesichtsmasken im Biergarten tragen, am Platz konnten wir sie natürlich abnehmen. Ich ließ mich an der Selbstbedienungs-Ausgabe registrieren und servierte meinen tapferen Bergsteigern den versprochenen Spezi und Kaiserschmarrn. Und es schmeckte herrlich! Und der Kaiserschmarrn auch.

Die Kinder schauten fasziniert den Paragleitern zu, die vom Hochfelln aus ihren Flug über den Chiemgau starteten. Da wir einen recht kühlen Tag erwischt hatten und alle froren außer Bastian, der sich in seine Waldklassen-Funktionskleider eingezwiebelt hatte, machten wir uns bald auf den Weg zurück nach unten. Da ich den Kindern angeboten hatte, mit der Seilbahn nach unten zu fahren, falls sie nicht mehr konnten, schauten wir uns kurz die Preise an. Der Betrag, den wir als Familie bis zur Mittelstation hätten zahlen müssen, war allerdings so hoch, dass wir beim Wirt noch einmal hätten Kaiserschmarrn essen können. Also gingen wir zu Fuß.

 

Und das Wunder ging weiter. Leo jammerte genau ein einziges Mal. Und zwar, weil er wegen des Spezi-Konsums dringend bieseln musste. Dies erledigte er hinter einer Berglatschen. Dann latschte er brav weiter und träumte davon, welche Züge in Opas Gartenbahn er als nächstes fahren lassen würde. 

Aussicht vom Hochfelln auf den Chiemsee
Aussicht vom Hochfelln auf den Chiemsee

Nach nicht einmal einer Stunde hatten wir die Bründling erreicht. Weiter ging es über die Mittelstation Richtung Steinbergalm. Und erst jetzt im letzten Drittel begann die große Jammerei. Es waren aber nicht die Kinder, die jammerten. Es waren Mama und Papa. Wir Eltern waren lange nicht mehr so weit auf den Berg gewandert und hatten langsam keine Lust mehr. Die Kinder motivierten uns und so schafften wir es gemeinsam bis zum Parkplatz.

 

Selten waren wir als Eltern so stolz auf unsere Kinder. Geplant hätten wir es auf den Hochfelln wohl nie geschafft. Manchmal ist spontan eben am besten. 


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