Radltour zur Demmelfilzen

Seit zehn Jahren bin ich auf der Suche nach dem Traunsteiner Moor, besser bekannt auch als die Demmelfilzen. Lange Zeit glaubte ich gar nicht mehr, dass es in Traunstein dieses sagenumwobene Moor überhaupt gibt. Dank eines Tipps konnte ich nun endlich meine Familie nötigen, mit mir eine Radltour zum "geheimen Moor" zu machen. Ob wir die Demmelfilzen gefunden haben?

Jemand, der quasi im Schönramer Filz aufgewachsen ist und gefühlt jeden einzelnen Sonntag eine Familienwanderung im Moor machen musste, kann sich sowas wie die Demmelfilzen gar nicht wirklich vorstellen. Ein Moor, das nicht touristisch erschlossen ist und nicht jedes Wochenende von Horden von Touristen erwandert wird? 
Lange glaubte ich gar nicht, dass die Demmelfilzen wirklich existierte, aber neulich erhielt ich eine supergeheime Wegbeschreibung, wie man die Demmelfilzen mit dem Rad erreichen könnte. 
Vorbildlich richtete ich die Radl meiner Kinder und meiner Frau her und wir starteten unsere Radltour von Traunstein aus Richtung Traun runter. Das einzige Rad, um das ich mich nicht gekümmert hatte, war mein eigenes. Den halben Platten ignorierte ich zunächst. Aber gleich beim Empfinger Hohlweg zerlegte es mir meine Gangschaltung und die Kette blockierte. Kein Ding, derartige Probleme kann man mit der Hand lösen und keiner sagt, dass man mit schwarzen Händen nicht Radlfahren kann.
Die Tour führte uns entlang der Straße Richtung Kammer. Nach ein, zwei Kilometern den Radlweg entlang überquerten wir die Straße Richtung Alterfing. Keine Minute zu früh, da die Kinder ob des ständigen Auf- und Ab bereits lautstark zu mosern begonnen hatten. 
Bei Alterfing wurden wir nicht nur von strahlendem Sonnenschein belohnt, sondern auch mit einer fantastischen Aussicht auf die umliegenden Berge, einer sonnigen Brotzeitbank und einem freundlichen Kaltblut-Pferd.
Kein Gruselnebel - Die Kinder sind gerade auf "Pupspilze" getreten.
Kein Gruselnebel - Die Kinder sind gerade auf "Pupspilze" getreten.
Außerdem waren wir fast da. Ein paar Meter weiter bogen wir links in den Brunnenweg ein und fuhren Richtung Langmoos weiter. Soweit hatte ich es schon vorher geschafft. Jetzt half mir aber der entscheidende Tipp, den richtigen Feldweg zu finden. (Es war der zweite auf der linken Seite). 
Allerdings gelang es mir mit unfassbarer Zielsicherheit, an der nächsten Weggabelung den falschen Weg zu erwischen. Wie gewohnt, endete unser Abenteuer-Ausflug mitten im Matsch und weit und breit war kein Moor zu sehen. Als ich meinen Fehler bemerkte, fuhren wir noch einmal zurück zur letzten Weggabelung und landeten an einer großen LIchtung. Von dort führte ein Trampelpfad über die Wiese in den Wald hinein. Und jetzt sah man die Demmelfilzen bereits. 
Demmelfilzen
Idyllisch und schwer zu finden: Die Demmelfilzen

Umrahmt von Birken lag ein idyllischer Moorsee, dahinter sah man das Moor, die Demmelfilzen. Die Kinder bekamen ihre Belohnung und durften anhand von Schoko-Lebkuchen ein wenig Kraft tanken. Und eigentlich wäre es dort echt schön gewesen. Wäre die Sonne nicht bereits hinter den Bäumen untergegangen. Und hätte die halb verfallene Hütte, vor der wir Pause machten, nicht ausgesehen wie die Kulisse zu "Blair Witch Projekt 3". Der Ort war nämlich nicht nur schön, sondern richtig unheimlich und gruselig. Vor der verfallenen Hütte standen alte Biergarten-Stühle und man konnte beim besten Willen nicht sagen, ob die seit vielen Jahren unbenutzt waren. Oder ob jeden Tag ein Verrückter hierher kam, um dort vor seiner Hütte auf Familien zu warten, die sich hierher verirrt hatten.

Eine der Hexenhütten bei der Demmelfilzen
Eine der Hexenhütten bei der Demmelfilzen
Schneller als wir gekommen waren, verschwanden wir wieder. Auch meine Frau schien nicht undankbar zu sein. "Schön war es!", quiekte sie mit schriller Stimme und legte ein wenig an Tempo zu.
Erleichtert, dass wir weder entführt, überfallen oder verhext worden waren, setzten wir unsere Radltour wieder fort. Zurück nahmen wir den Radlweg durch den Forst Richtung  Hufschlag.
Es war eine richtig schöne Fahrt - ignoriert man, dass dem Kleinen bald trotz Zuckerauffrischung die Kräfte verließen und alle hundert Meter protestierte, dass "Radloturen Scheiße" seien und er nie wieder durch einen Wald fahren wolle. Wir fuhren, weil sich die Familie wider jeden Menschenverstandes auf meine Navigation verließ - ungefähr drei Mal im Kreis und kamen irgendwann beim Tierheim Trenkmoos wieder raus. 
Wir waren noch nie so erleichtert, nach einem Ausflug wieder zu Hause angekommen zu sein. Und trotzdem: Schön wars schon!
Vielen Dank noch an Martina Wenta für den Tipp!

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