Im Wildniscamp am Falkenstein mit den Kindern

Im Nationalpark Bayerischer Wald ist für Familien mit Kindern sowieso jede Menge geboten. Eine kleine Besonderheit unter den vielen Sehenswürdigkeiten ist das Wildniscamp am Falkenstein. Auf Einladung des Vereins Waldzeit e.V. durfte ich diesmal mit Kind und Kegel in den Bayerischen Wald reisen. Wir schliefen in einer außergewöhnlichen Hütten, sahen einen Luchs und begegneten einer 500 Jahre alten Tanne!

Die Themenhütten im Wildniscamp am Falkenstein

Die Thoreau Hütte - hier hatte ich selbst das letzte Mal gewohnt!
Die Thoreau Hütte - hier hatte ich selbst das letzte Mal gewohnt!

Die erste große Frage lautete: Wo wollen wir schlafen? Da wir an diesem Wochenende die einzige Familie im Wildniscamp waren, durften wir uns aussuchen, in welcher der vielen Themenhütten wir schlafen wollten. Antje Laux von Waldzeit zeigte den Kindern eine tollere Hütte nach der anderen. Wo wollten die Kinder lieber schlafen? Auf dem Baumhaus in luftiger Höhe? Oder etwa doch in der Wasserhütte direkt über einem kleinen Bach? Vielleicht in der Erdhöhle wie ein Hobbit schlafen? Oder dem wunderschön gestalteten Erdstern? 

Der Blick vom Baumhaus hinab
Der Blick vom Baumhaus hinab

Die Kinder wären am liebsten eine ganze Woche geblieben, um jede Nacht eine andere Themenhütte auszuprobieren. Am Ende musste ich als Wildniscamp-erfahrener Papa ein Machtwort sprechen. Da die Thoreau-Hütte, in der selbst das letzte Mal gewohnt hatte, für 4 Personen zu klein war, entschied ich mich für das Wiesenbett. Und zwar aus zwei triftigen Gründen: Durch die großen Glasfenster war es die Hütte, die sich tagsüber am besten aufwärmte. Ideal also für April. Außerdem war der Weg zur Toilette im Haupthaus der kürzeste. Das überzeugte dann auch die Kinder. 

Im Haus zur Wildnis

Eine erste kleine Wanderung machten wir zum Haus zur Wildnis. Hierhin kann man ab dem Wildniscamp auch zu Fuß gehen. Da die Kinder aber von vornherein streikten und sich vehement gegen längere Wanderungen aussprachen, starteten wir ab Parkplatz Ludwigsthal. Je nachdem, welchen Weg man einschlägt, kann man bereits an den vielen Wildgehegen vorbei spazieren. Es gibt unter anderem Luchse, Wölfe, Urpferde und Auerochsen, sowie eine Steinzeithöhle zu bestaunen. Wir haben diesmal nur eine kurze Tour gemacht, die komplette könnt ihr hier nachlesen.

Im Haus zur Wildnis kann man sehr lecker essen. Auch für Vegetarier ist jede Menge geboten, was uns Eltern sehr gefreut hat und im bayerischen Wald nicht gerade selbstverständlich ist. Für die Kinder gibt es einen kleinen Spielplatz draußen und einen sehr großen drinnen. Im Haus zur Wildnis drinnen gibt es einen kleinen Kletterbereich und überhaupt sehr vieles zu entdecken. Unseren Kindern hat am meisten die Höhle im Untergeschoss gefallen. Hier lernt man alles über das Leben unterhalb des Waldbodens und man fühlt sich selbst teilweise wie ein Wurm, der sich durch die Erde wühlt. Vor allem die vielen Erklärfilme haben unseren Kindern sehr gut gefallen!

Zurück ging es vorbei an den Wildgehen von Luchs und Wolf. Die Tiere haben sich allerdings, wie meistens, sehr gut versteckt. Nur mit unseren Luchs-Augen konnten wir einen der Luchse in wirklich weiter Entfernung auf der anderen Seite des Geheges umherstreifen sehen. Wir haben uns dennoch sehr gefreut, dieses seltene Tier zu Gesicht zu bekommen. Von den Wölfen war diesmal nichts zu sehen. Und auch die Wildpferde und Auerochsen schienen Urlaub zu haben. Ihre Gehege waren leer. "Free the buffalos" stand als Graffiti vor dem Gehege. Die Kinder malten sich so manche Kriminalgeschichte aus, was wohl mit den Auerochsen passiert war...

Rund um das Zwieslerwaldhaus

Auch wenn sich die Kinder weigern, wandern zu gehen, gibt es rund um das Zwieslerwaldhaus dann doch jede Menge zu entdecken. Auf dem Weg zum Gasthaus, in dem wir essen wollten, gingen wir nicht über die Teerstraße, sondern seitlich durch die Wälder. Und schon erlebt man Abenteuer. Denn dort gibt es keinen gewöhnlichen Wald, sondern einen richtigen Urwald! Die Anfangsbegeisterung verflog allerdings recht schnell und wir folgten dann doch den schnellsten Weg zum nächsten Wirt!

Über den Paul Hawlik Hain zum Schwellhäusl

Am zweiten Tag sind wir dann doch eine kleine Wanderung mit den Kindern angegangen. Ich wollte den Kindern unbedingt den eindrucksvollen uralten Urwald des Paul Hawlik Hains zeigen. Die waren aber gar nicht begeistert von der Aussicht, stundenlang durch die Wälder zu marschieren und lamentierten die ersten Kilometer. Laut unseren Kindern sind Wälder das langweiligste überhaupt und Fortbewegung zu Fuß sowieso und die Bäume waren ja eh alle kaputt und das einzige coole wären die Borkenkäfer, die die Bäume alle kaputt gemacht hatten. Cranky Kids halt. Erst, als ihnen ein netter Herr einen bunt verzierten Spazierstock verkaufte, hellte sich die Stimmung merklich auf. Selbst geschnitzte Spazierstöcke kann man nämlich auch als Ninja-Schwerter verwenden. Die restliche Wanderung war gerettet!

Die 500 Jahre alte Tanne
Die 500 Jahre alte Tanne

Die Sehenswürdigkeit Nummer 1 ist im Paul Hawlik Hain natürlich die 500 Jahre alte Tanne. Es hieß, man brauche 9 Personen, um die Tanne zu umarmen. Dank unserer Stöcke schaffte es unsere Familie mit 4 Personen! Ich stellte die Tanne als meinen Baumfreund vor und mein Sohn schlug als passenden Namen "Stinki" vor. Sein Baumfreund hieß übrigens Schnuffi. 

Schwellhäusl und Triftweg

Am Schwellhäusl waren die Kinder sofort vom großen Spielplatz begeistert. Ein Glück für uns Eltern, wir nutzten die Verschnaufpause und freuten uns fast am meisten darüber, hier endlich Internet zu haben. Nach einer kurzen Pause wollten wir uns wieder auf dem Weg machen. Da entdeckten die Kinder eine frei herumlaufende Ziege. Die war natürlich ein Highlight und als sie sich auch noch freimütig streicheln ließ, hatten wir endlich, endlich zwei durch und durch glückliche Kinder. 

Als Weg zurück wählten wir die Strecke entlang des Triftbaches. Der Weg führt überwiegend entlang eines kleinen Bächleins und ist sehr abwechslungsreich. Außerdem ist er gut ausgebaut und kann auch von Familien mit Kinderwagen genutzt werden!

So hat es uns im Wildniscamp gefallen

Nach drei Tagen Wildniscamp waren alle glücklich und zufrieden. Wir hatten auch großes Glück, dass wir uns für die richtige Hütte entschieden hatten. Zwar waren in der ersten Nacht die fremden Geräusche und das Knacken des arbeitenden Holzes noch sehr aufregend. Aber immerhin mussten wir nicht stark frieren. In der Wasserhütte, so erfuhren wir, sei es zwar tagsüber sehr romantisch, aber in der Nacht um diese Jahreszeit dann doch arg kalt und feucht. Nächstes Mal wollen wir aber auf alle Fälle das Baumhaus ausprobieren!

Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Waldzeit und Antje Laux, die uns diesen wunderschönen Familienurlaub ermöglicht haben!

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