Kinderurlaub in der Ferienanlage Lido Altanea in Caorle

Der Schriftsteller und seine Frau, die angehende Yogalehrerin, fahren natürlich nicht auf Pauschalurlaub. Sie sind Individualtouristen, die ihren Kindern Kultur und pädagogisch wertvolle Urlaubserfahrungen bieten. So jedenfalls hatten wir uns unsere Sommerurlaube vorgestellt. Inzwischen haben wir vor der Realität resigniert und sind samt Oma und Opa in die Ferienanlage in Altanea bei Caorle gefahren. 

Die richtige Entscheidung?

...mit dem neuen Equipment ab zum Pool!
...mit dem neuen Equipment ab zum Pool!

Wenn man am Ende des Urlaubs das Fazit zieht: "Hauptsache, den Kindern hat es gefallen!", dann war es definitiv richtig. Urlaub in einer Ferienanlage bedeutet auch, dass man einige faszinierende Erfahrungen macht. 

 

Dutzende Ferienhäuser, gruppiert um einen riesigen Pool. In der Nähe das Meer, dazwischen ein kleiner Vergnügungspark mit einer Unterhaltung-Arena. Das ist Altanea. 

Als erstes ist mir aufgefallen, wie leer die Blicke der anderen Eltern am späten Nachmittag sind. Da wusste ich noch nicht, dass sie bereits den ganzen Tag gefordert worden waren und der Höhepunkt noch vor ihnen lag. 

Das Tagesprogramm: Die Frage Meer oder Pool wird von den Kindern schnell beantwortet: Pool! Pool! Doch den Pool muss sich Bastian erst verdienen, indem er Schwimmen übt. Die Züge klappen inzwischen schon recht gut und die vier Meter zwischen den Beckenrändern meistert er problemlos. Doch sobald seine Fußpitzen den Grund nicht mehr erreichen, weicht jegliche Kraft aus seinem Körper und er geht protestierend unter. Der Kleine seinerseits verweigert inzwischen Schwimmflügel und behauptet, schwimmen zu können. Geht er dann doch unter, berichtet er prustend und über-stolz gleich seinem Bruder davon: "Basti! Ich bin untergangen!!!"

 

Yoga am Meer mit Kind... (natürlich nicht im Wasser)
Yoga am Meer mit Kind... (natürlich nicht im Wasser)

Also lieber ans Meer. Doch das Meer ist für unsere Kinder ein Ort des Grauens. Es ist kalt, es ist salzig und die Muscheln pieksen die Füße. Außerdem gibt es Krabben, die nur darauf lauern, kleine Kinder anzugreifen. Und der Sand erst! Der ist so heiß, dass Kinder erst gar nicht den Weg vom Strand zum Meer schaffen. Immerhin, das Burgenbauen am Strand machte beiden Spaß. 

Wer sich einen Strandurlaub in Altanea nun idyllisch vorstellt, dem sei noch der zarte Hinweis gegeben, dass mehrmals am Tag ein Animationsteam die Erwachsenen bespasst. Wassergymnastik, Aerobic, sogar Yoga. 

Wie hat man sich ein Altanea-Yoga vorzustellen? Die wummernde Musik wird zunächst von Ballermann auf Chinarestaurant-Hintergrundmusik umgestellt. Jessica, die Animateurin, macht inzwischen die gleichen Choreographien wie zuvor beim Aerobic, nur in Zeitlupe. Und ab und an baut sie ein paar echte Yogafiguren ein. 

Die Mama nahm sich als angehende Yogalehrerin natürlich Zeit, um bei Jessicas Yogastunde zu hospitieren. Leider hatte sie Pech, dass neben ihr auch ein an Junggesellenabschied grenzendes Weißbiergeschwader ebenso am Yoga teilnahm. Die jungen Herren verwandelten jede Yogastellung in einen Akt, der deren körperliche Zuneigung zur Animateurin unterstreichen sollte. Ein angeheiterter Mittdreißiger kommentierte die Yogastunde grölend mit Worten die nichts in einem Elterntagebuch zu suchen haben. Wenig hilfreich war, dass die zweite Animateurin, Aurora, die Yoga-Übenden mit einer Trillerpfeife anfeuerte. Ich erspare es mir zu erwähnen, dass es in dieser Yoga-Einheit kein Savasana gab. 

 

Was trieb diese junge Animateurin Aurora dazu, wie ein ausgeflipptes Duracell-Häschen die Yogaklasse aufzupeitschen? 

...etwas das ich so noch nie gesehen habe: Kinder die freiwillig tanzen! (Meine nicht...)
...etwas das ich so noch nie gesehen habe: Kinder die freiwillig tanzen! (Meine nicht...)

Eine Woche später fühle ich tief mit ihr. Denn Aurora und Jessica müssen nicht nur tagsüber die Urlaubenden bespaßen, sondern auch abends in der Arena bei der Mini-Disco. 

Tagelang habe ich beiden zugeschaut, wie sie siebzehn Lieder lang Abend für Abend den Kleinen dieselbe Choreographie vortanzten. Einerseits war ich fasziniert, wie viele Kinder mit Begeisterung jeden Abend mitmachen (Unsere Kinder selbstverständlich ausgeschlossen). Gleichzeitig war den beiden Animateurinnen anzusehen, wie ihre eigene Begeisterung von Abend zu Abend schwand. Eine Show für sich war schließlich am Donnerstag der ironische Gesichtsausdruck auf Jessicas Gesicht, als zum hundertsten Mal das Lied vom Affen Coco begann und sie wohl begriff, dass die Saison noch lange sein würde. Sehr sehr lange. Aurora ihrerseits war nichts anzusehen. Sie hüpfte, sprang und sang mit einer Begeisterung, dass ich mich oft fragte, was ein Animateur einschmeißen muss, um das einen Sommer lang auszuhalten. Oder ob diese beneidenswert Frau einfach so viele körpereigene Glückshormone intus hätte, um jede Kinderdisco zum unvergesslichen Erlebnis zu machen. 

Nach der Show, die übrigens noch Sketche enthielt, die alle mit zusammenbrechenden Plastikstühlen zu tun hatten, ging es in den Park. 

Und dort fand ich eine meiner Kindheits-Jesolo-Erinnerungen vor: Die Raupen-Achterbahn, vor der ich mich damals als Drittklässler gefürchtet hatte und dann doch mit meiner Cousine Christina gefahren war. Bastian hatte keine Angst davor. Erst als er mit seinem Ferienfreund Samuel drinnen saß und ein erstes Mal um die Kurve sauste wurde er immer blasser und stiller. 

 

Am Ende behauptete er trotzdem, es habe ihm "Superspaß" gemacht!

...es gab übrigens höchstens zwei Mal am Tag Pizza. Manchmal gab es auch das.
...es gab übrigens höchstens zwei Mal am Tag Pizza. Manchmal gab es auch das.

Am allerletzten Tag gab es dann auch noch ein kleines Erfolgserlebnis. Der wasserscheue Nichtschwimmer nahm die völlig unpädagogische Versprechung, ab 10 Meter für jeden im tiefen Becken geschwommenen Meter das Unterhaltungs-Budget aufgestockt zu bekommen sehr sehr ernst. Wie durch ein Wunder schwamm er prustend durch das Becken und ließ sich auch vom kleinen Bruder, der ihn mit einer Wasserpistole vollspritzte, nicht aus der Konzentration bringen. Der Lohn waren  eine neue Taucherbrille (6 EUR), eine Spritzpistole die weitergeht als die vom Bruder (3 EUR) und begeisterte Eltern (1 EUR). 

Was also bleibt vom Urlaub in Altanea? Die Frage ist sehr, sehr leicht zu beantworten. Die netten Animations-Damen von L'Equipe verkauften nämlich eine CD mit allen Minidisco-Sommerhits des Jahres 2018. Die gesamte Rückfahrt und jede freie Minute seit unserer Heimkehr läuft nun in Dauerrotation: "Sag Hallo, Cococo... Kopf, Beine Knie und Fuß, Knie und Fuß... Cowboy Johnny ist verliebt in Mary Lou MÄRI LU!..."
Einen kleinen Eindruck liefere ich Euch hier:

Die Minidisco-Hits 2018

Ich habe einen kleinen Papagei:

Kuma He

Cowboy Johnny

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