Mit den Kindern in Heidelberg

Heidelberg ist unbestritten die Romantikstadt Deutschlands. Wir müssen es wissen, denn wir haben in Heidelberg geheiratet. Vor genau zehn Jahren. Natürlich wollten wir an unserem Hochzeitstag in diese wunderschöne Stadt zurückkehren. Aber nicht nur das. Wir wollten der Stadt in der alles begann auch das Ergebnis vorstellen: Unsere zwei Jungs. Heidelberg mit Kindern – ob das gutging?

 

 

Natürlich ging das gut! Wir hatten uns vorgenommen, dass wir diesen ganz besonderen Hochzeitstag zusammen mit unseren Kindern verbringen wollten und ihnen diese tolle Stadt zeigen wollten, in der wir so viel erlebt hatten.

Untergebracht waren wir nicht direkt in Heidelberg, sondern im Stadtteil Handschuhsheim im Hotel „Deutscher Kaiser“. Große Zimmer, richtig viel Platz auch für die Kinder – und die Mama hatte die Yogamatte vergessen. Handschuhsheim allein wäre schon eine Reise wert gewesen. Die Stadt ist älter als Heidelberg und es gibt eine sehenswerte Tiefenburg, einen Bio-Vollkornbäcker und einen inspirierenden Buchladen. Mehr brauchen wir nicht für einen erfolgreichen Urlaub mit Kindern. Wir sind dann trotzdem täglich mit der Straßenbahn nach Heidelberg gefahren. 

Es half nichts, die Kinder mussten zunächst unser Romantik-Programm mitmachen. Beim Schländern durch die Fußgängerzone konnten wir sie noch mit Eis bestechen und bei Laune halten. Meine Kurz-Referate über Robert Wilhelm Bunsen und die Heidelberger Universität haben sie trotzdem boykottiert. Größeres Interesse zeigte Loni schließlich an der Alten Brücke für die dortige Affenskultpur. Die gefiel ihm so gut, dass Loni zur Fotobombe wurde und auch nicht mehr weichen wollte, als die Touristen, die eigentlich Fotos vom Affen und nicht vom Loni machen wollten, ihn in verschiedenen Sprachen herunterscheuchen versuchten. Vermutlich ist der Kleine nun bei Dutzenden Instastories und in zahllosen Fotoalben grinsend im Hintergrund zu sehen. 

Unser Lieblings-Romantikweg beginnt auf der anderen Seite des Neckar beim Schlangenweg. Die Kinder fürchteten sich ein wenig. Aber nicht, weil es zwischen dem recht dusteren Gemäuer steil bergauf ging, sondern weil sie Angst vor den Schlangen hatten, nach denen der Weg offensichtlich benannt war. „Gibt es hier Giftschlangen?“ „Nein, nur Blindschleichen.“ „Oder Anacondas?“

 Ohne größere Schlangenattacke erreichten wir den Philosophenweg. Die Kinder hatten keine Muse für den schönen Ausblick auf die Stadt. Stattdessen lamentierten sie „Ich hab Hunger!“ „Wann sind wir endlich da?“ „Wo ist denn diese Eichelberg-Anlage?“ 

Bei der Eichendorff-Anlage, wo wir einige unserer romantischten Tage erlebt hatten, machten wir Picknick. Während ich und meine Frau in Gedanken schwelgten, spielten die Kinder Verstecksdi. Ein Versuch, das dort in einem Denkmal verewigte Gedicht von Joseph von Eichendorff auswendig zu lernen, scheiterte. Die Kinder haben folgendes memorisiert:

 

Schläft ein Lied in allen Dingen

Stinkts nach Diesel in der Stadt

Kracht die Stadt und lacht

Und der Mensch macht Krach

 

Dafür haben die Kinder eine neue Sportart erfunden. Das „Iha-Rankeln“ vor romantischer Kulisse. Und das geht so: Während sich im Hintergrund das Heidelberger Schloss langsam rötlich färbt, müssen sich die Opponenten gegenüberstellen. In Sumo-Ringer-Manier laufen sie aufeinander zu, schreien laut „Iha!“ und versuchen nun, den Gegner zu Boden zu rangeln. Diese Sportart haben die Kinder die kommenden Tage mit vorlieb an den schönsten Sehenswürdigkeiten Heidelbergs trainiert.

 

Den Tag ließen wir in unserer Lieblingsbar, der „Bar D’Aix en Provence“ ausklingen. 

Der Kinder-Tag in Heidelberg

Damit die Kinder auch etwas von unserem Romantik-Retro-Urlaub hatten, ließen wir am zweiten Tag die Jungs entscheiden, was wir machten.

 

Natürlich wollten die Eisenbahn-Nerds mit der Bahn zum Königstuhl hinauffahren. Die Fahrt erfüllte alle Wünsche: Zunächst ging es mit der topmodernen Seilzug-Bahn zur Molkenkur hinauf. Dort stiegen wir in die historische Original-Königstuhl-Bahn ein, die bereits seit über hundert Jahren die Touristen auf Heidelbergs höchsten Berg hinaufbringt. Die Fahrt in der knarzenden Bahn allein war schon ein Highlight für die Kids. Dort oben ging es aber erst so richtig los. Es gibt dort eine Falknerei, einen Naturlehrpfad und einen Märchenpark. Ratet, für was sich die Kinder entschieden haben? Richtig, für den Märchenpark. 

Das Märchenparadies Heidelberg ist auf den ersten Blick ziemlich günstig. Allerdings muss man für die meisten Fahrgeschäfte Token einwerfen. Eine Fahrgeschäft-Flatrate hat man leider nicht. Unsere Kinder mussten sich also einteilen, für was sie ihre Token verwendeten. Die Mini-Eisenbahn ließen sie interessanterweise links liegen. Dafür waren ein Kinder-Bagger und ein Kinder-Kran hoch im Kurs. Die Kinder konnten kaum von den Baufahrzeugen weggerissen werden. Erst als sich hinter ihnen ein langer Stau genervter Eltern gebildet hatte, mussten wir einschreiten. Weitere Highlights hier oben waren die Hüpf-Trampolins und die vielen Spielplätze. 

Nach dem Weg nach unten nutzten wir noch aus, dass im Bahn- Ticket der Eintritt ins Schloss mit inbegriffen war. Die Kinder kletterten auf das riesige Weinfass im Schlosskeller, Bastian ließ sich vom Audio-Guide den Pfälzer Erbfolgekrieg erklären und berichtete fassungslos, dass die Lieselotte von der Pfalz den Pulverturm gesprengt hatte. Loni wurde es nach einem langen Zug-Märchenpark-Pommes-Tag zu viel. Er schlief auf der Kante des Schlossbrunnens inmitten einer japanischen Touristentruppe ein.

Am dritten Tag wanderte ich mit den Kindern von Handschuhsheim aus zum Heiligenberg hinauf. Die Wanderung dauert in der Regel eine Dreiviertelstunde. Mit Kindern, die bereits nach zehn Minuten Brotzeit machen wollen, kann es sich schon mal auf über eine Stunde hinziehen. Dort oben wurden alle Beteiligten allerdings kräftig entschädigt: Während bei der Thing-Stätte Bastian noch maulte, dass er sich das Amphitheater „so groß wie in Rom“ vorgestellt hatte, war auch er schließlich versöhnt: Wandert man nämlich vom obersten Punkt der Thing-Stätte noch ein paar Meter noch oben, gelangt man zu den Ruinen des Michaelsklosters. Und die sind auch für Kinder eindrucksvoll. Von den Türmen aus hat man eine weite Aussicht und die verbliebenen Mauern sind gut beschriftet und geben ein lebendiges Bild, wie das Klosterleben damals ausgesehen hat. Noch cooler war allerdings, dass ein Dokumentarfilm-Team uns bei unseren Erkundungen filmte. Besonders Bastian freute sich auf seine unnachahmliche Art: "Ich war zwar schon oft im Fernsehen, aber der Loni noch nie!"

Es gibt auch noch eine zweite, kleinere Klosterruine unterhalb der Thing-Stätte. Das Thomas-Kloster ist weniger eindrucksvoll. Dafür befindet sich dort ein Aussichtsturm, der eine gigantische Aussicht auf das Heidelberger Schloss und den Königstuhl bietet. Wenn die Kinder bis dahin nicht brav gewesen sind, kann man immer noch drohen, sie in das Heidenloch zu werfen. Das ist ein eindrucksvoller historischer Brunnenschacht den es hier zu besichtigen gibt und um den sich viele gruselige Sagen ranken.

 Perfekt wäre der Ausflug nun gewesen, wenn wir gemütlich mit dem Bus wieder hinunter hätten fahren können. Allerdings stellte ich erst nach einer Weile fest, dass der Bus nur an Sonn- und Feiertagen fährt. Es war gar nicht so leicht, die vom vielen Seightseeing bereits erschöpften Kinder wieder zu Fuß hinunter zu komplimentieren.

Wieder  zurück wollten wir nun unseren Hochzeitstag gemeinsam zelebrieren. Mit hungrigen und müden Kindern kehrten wir in die Bar D’Aix Provence ein. Die hatte blöderweise zu. Also setzten wir uns in die Nachbarbar. Die Preise dort stammten allerdings vermutlich aus der Zeit der Hyper-Inflation. Also planten wir, lautlos aufzustehen und zu gehen. Dies gelang uns auch fast, wäre da nicht ein mittelstarker Tobsuchtsanfall vom Loni gewesen, der gerade seine gesamten Autos im Café aufgebaut hatte.

Also besorgten wir uns Toasts und setzten uns an die Neckarwiesen. Hört sich romantisch an. Praktisch sind die Wiesen derart von den hiesigen Enten vollgeschissen, dass ein Picknick ohne Decke kaum Freude bereitet. Dafür war der dortige Wasser-Spielplatz sensationell und zumindest die Kinder begeistert.

 Nachdem wir durch unsere Lieblings-Fußgängerzone flaniert waren und lange überlegt hatten, wo wir zu Abend essen wollten, landeten wir dann doch wieder bei einem unserer Lieblingsplätze in Heidelberg: Der Uni-Mensa im Zeughaus. Inspirierendes Ambiente, spannende Menschen und das Essen war auch noch gut. Die Kinder hatten Auslauf und der Wein schmeckte hier in der untergehenden Sonne einfach großartig. 

Als wir am nächsten Morgen abreisten, waren wir zwar nicht halb so erholt wie gehofft, aber allesamt glücklich und zufrieden, weil wir jede Menge erlebt hatten. Und die Kinder waren insgesamt so brav, dass wir zufrieden das Fazit zogen, vor zehn Jahren in Heidelberg alles richtig gemacht zu haben!

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Kommentare: 1
  • #1

    Rolf Arnold (Donnerstag, 19 September 2019 12:21)

    Hallo, sehr schöne Fotos...als "alter" Heidelberger kann ich das beurteilen!