Ein Wochenende mit Kindern in Augsburg. Oder: „Ich will nicht in die Fuggerei!“

Augsburg war dieses Wochenende unser nächstes Urlaubsziel, da wir coronabedingt unseren großen Urlaub am Meer bereits abgesagt hatten. Urlaub in Deutschland ist ja auch schön. Vor allem, wenn eine Stadt auch für Kinder so viel zu bieten hat, wie Augsburg. Wobei ich gleich verrate, wo wir nicht waren: In der Fuggerei! Warum nicht, das wird noch verraten!

Augsburg hat mehr Kanäle als Venedig. Hier besichtigen wir einen davon.
Augsburg hat mehr Kanäle als Venedig. Hier besichtigen wir einen davon.

Augsburg war dieses Wochenende unser nächstes Urlaubsziel, da wir coronabedingt unseren großen Urlaub am Meer bereits abgesagt hatten. Urlaub in Deutschland ist ja auch schön. Vor allem, wenn eine Stadt auch für Kinder so viel zu bieten hat, wie Augsburg. Wobei ich gleich verrate, wo wir nicht waren: In der Fuggerei! Warum nicht, das wird noch verraten!

Auf einem T-Rex reitet man auch nicht jeden Tag.
Auf einem T-Rex reitet man auch nicht jeden Tag.

Erst aber machten wir die Stadt unsicher. Mit der Straßenbahn gelangten wir in nicht mal einer Viertelstunde zum Moritzplatz. Ab da lag uns Augsburg zu Füßen. Die Kinder lieben das Bahnfahren ohnehin mehr als die Stadtbesichtigung, also hätten wir, ginge es nach den Kindern, jetzt auch wieder umdrehen können. Aber wir Eltern wollten unbedingt die ins Unesco- Welterbe aufgenommene historische Augsburger Wasserversorgung unten im Handwerkerviertel anschauen. Es war einer der heißesten Tage des Jahres und wir hatten einen Eltern-Anfängerfehler begangen: Wir hatten kein Wasser dabei. Verzweifelt schauten wir uns um. Nichts! Kein Wasser! Wir hätten keine Preise für die historische Wasserversorgung vergeben. Im Gegenteil! Als wir kurz verzweifelten und dachten, dass wir alle verdursten würden, entdeckten wir Fahnen der City-Galerie. Unsere Rettung! Dort gab es nicht nur Wasser so viel wir tragen konnten, sondern auch einen riesigen Dinosaurier. Auf dem konnten die Kinder reiten. Und für nur zwei Euro pro Ritt bewegte sich der Dinosaurier auch noch. Immerhin, die Kinder waren begeistert.

Als es nach unserer Exkursion in die City-Galerie darußen immer noch wüstenartig heiß war, beschlossen wir, ins Hotel zurückzukehren. Denn, während wir draußen bei lebendigem Leib gegrillt wurden, fühlte sich der Pool im gut geheizten Hotelkeller überraschend kühl an. Was macht man auch sonst am heißesten Tag des Jahres? In die Sauna gehen, zum Beispiel. Hey, die Sauna ist da, wir haben für das Hotel bezahlt, also nutzt man auch die Sauna! Nicht ganz so viel Spaß hatten zwei Damen, die eigentlich Wellness machen wollten. Mit Wellness war es mit unseren beiden Jungs bald vorbei. Wenigstens für alle Anwesenden, die älter als acht Jahre waren.

Erst am Abend wagten wir uns wieder in die Stadt zurück. Bei unserer zweiten Tour durch das Klein-Venedig im Handwerkerstadt entdeckten wir einen Trinkwasserbrunnen. Während wir – sicher ist sicher -unsere Trinkflaschen auffüllten, begann eine Touristin hysterisch zu schreien: „No! No! No!“ Sie deutete aufgeregt auf Leonard. Der hatte sich so über das Wasser gefreut, dass er es aus seiner hohlen Hand direkt aus dem Bassin schlürfte. Vielleicht zu Corona-Zeiten nicht ganz ideal. Aber auch kein Grund für Fremde, beinahe an einem Herzinfarkt zu sterben.

Kunst in der Kresslesmühle: Leo hat seinen Papa portraitiert
Kunst in der Kresslesmühle: Leo hat seinen Papa portraitiert

Nach einem köstlichen veganen Abendessen in der „Wilden Dreizehn“ bei der Kresslesmühle, spazierten wir im nächtlich illuminierten Augsburg zum Rathausplatz. Dort war ein riesiger Rummelplatz aufgebaut. Und natürlich durften die Kinder eine Runde mit den Fahrgeschäften fahren und ja, auch wir Eltern drehten eine rasante Runde im Kettenkarussell. 

Auch die Enten haben gerade Semesterferien.
Auch die Enten haben gerade Semesterferien.

Unseren zweiten Tag starteten wir mit einer Besichtigung der Universität. Die Mama versuchte, die Kinder für die unterschiedlichen Fakultäten ihrer Alma Mater zu begeistern: „Leo schau, da kann man Kunst studieren. Und da, Bastian, ist die mathematische Fakultät!“. Die Kinder interessierten sich aber mehr für den asiatischen Torbogen im Teich: „Mama schau mal, da ist ein Ninjago-Zeichen!“ 

Der schöne Bücherschrank im noch schöneren Hofgarten
Der schöne Bücherschrank im noch schöneren Hofgarten

Weiter ging es in der Altstadt am Roten Tor mit einem Spaziergang vorbei am Wasserturm, der Augsburger Puppenkiste zurück zum Rathausplatz. Es begann einer dieser Tage, an denen jeder der vier Exkursionsteilnehmer zu unterschiedlichen Zeiten auf die Toilette muss. Die Toilette neben der Tourismusinfo am Rathausplatz ist übrigens die sauberste und tollste von ganz Augsburg. Danach ging es im Schnelldurchgang weiter zum Dom. Dort schauten wir ungefähr fünfzehn Sekunden die Römerausgrabungen an. Aber heute interessierten sich die Kinder nicht für „Römerglump“.

 

An heißen Sommertagen ist der Hofgarten eine kleine Stadt-Oase. Die Gischt des Springbrunnens bietet angenehme Kühlung. Im Bücherschrank kann man sich tolle Romane ausleihen. Und überall stehen gemütliche Liegen herum. Auch wir hatten uns bereits mit unserer Lektüre am Brunnen platziert, als sich Leo meldete: „Ich muss aufs Klo.“ „Okay, dann gehen wir in den Park.“ „Groß!“

So schön der Hofgarten und die bischöfliche Residenz auch ist, eines gibt es nicht: Ein Klo! Nachdem ich mit dem Kleinen einmal das komplette Viertel umrundete, gaben wir auf. Wir mussten. Wir mussten zurück in die Stadt. Auf dem Weg dorthin sahen wir aus der Ferne einen supergemütlichen Gastgarten mit megacoolen jungen Leuten darin. „DA müssen wir hin!“, beschlossen wir unisono. Als wir uns diesem El Dorado, dem Sehnsuchtsort all unserer Träume näherten, mussten wir beide lachen. Es war nichts anderes als das „Weiße Lamm“, unsere alte Stammkneipe von früher.

Wir wurden nicht enttäuscht. Kühle Getränke, herrliche Bagel. Schönes Ambiente. Nur die Kinder benahmen sich nicht wie gewünscht und gaben sich total dem Zuckerschock hin. Leo sprach mit seiner geliebt-gefürchteten tiefen Löwenstimme. „Ich mach euch alle platt!“ Bastian kugelte sich vor Lachen. Irgendwann wurde es mir zu bunt und ich schrie: „Ihr! Alle beide! Wenn ihr euch jetzt nicht augenblicklich benehmt, dann… dann…“ Ich überlegte, und fuhr meine Schimpfkanonade fort: …dann gehen wir auf der Stelle in die Fuggerei!“

Gelächter am Nebentisch. „Das ist in der Tat die Höchststrafe!“, war man sich dort einig.

Leo allerdings kam jetzt so richtig in Fahrt. Mit der tiefsten Stimme, die jemals aus der Kehle eines Fünfjährigen gekrochen kam, brummte er: „Ich will nicht in die Fuggerei!“ Und – angestachelt vom Gelächter der Gäste – noch lauter: „ICH WILL NICHT IN DIE FUGGEREI!“

 

Den gesamten Weg zurück in die Stadt, schrie er Passanten mit seiner kehligen Stimme an: „ICH WILL NICHT IN DIE FUGGEREI!“ Nur, als wir ein Feine-Leute Restaurant passierten, sprang die Platte mit Hänger in die nächste Rille. Mit bösem Blick schrie er die draußen sitzenden an: „ICH MACH EUCH ALLE PLATT!“ Die Restfamilie schlich sich in Sicherheitsabstand vom Kind mit der tiefen Stimme am Restaurant vorbei und tat so, als gehörte sie nicht zu dem renitenten Kind.

Trotz dieses offensichtlichen Nicht-Brav-Seins taten wir dem Kleinen den Gefallen und gingen NICHT in die Fuggerei. Stattdessen gingen wir nach einem zweiten Bade-Nachmittag im Hotelpool Abends in unseren liebsten Biergarten aus Studenten-Zeiten ins Lueginsland. Erst, als wir nach mehrmaligem Hin- und Hergehens die warm dampfenden Spätzle und Flammkuchen am Tisch stehen hatten, fiel Kind 1 ein: „Ich muss aufs Klo!“ Zehn Minuten später berichtete Kind 1: „Da ist eine Rutsche auf dem Klo!“ Und brachte sogleich Kind 2 auf den Plan: „Ich muss auch aufs Klo!“ Man einigte sich, dass beide Kinder gemeinsam zum Rutschen, äh aufs Klo gingen und die Eltern in Ruhe das lauwarme Essen verzehren konnten.

 

Zum Abschluss gingen wir noch zur Augsburger Kahnfahrt. Bastian stellte sich als Ruder-Naturtalent heraus. Während ich unter dem Gelächter meiner Frau einmal mehr bewies, dass ich eine vorn-hinten-Schwäche habe. Ich setzte mich (einmal mehr) verkehrt auf das Ruderboot.

Auch am dritten Tag hätten wir noch so vieles unternehmen können. Aber nach einem Kaffee mit unserer Freundin Jasmin am Hermesbrunnen begann es dermaßen zu schütten, dass all unsere Pläne buchstäblich ins Wasser fielen. Zudem hatten wir nach zwei Tagen Augsburg bereits so viel erlebt, dass alle Beteiligten heilfroh waren, als wir bald im trockenen Auto auf dem Weg nach Hause saßen. Bis im ersten Stau Kind 1 einfiel: „Ich muss aufs Klo!“

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