Mit Hundertwasser in Abensberg

Das Hundertwasser-Kunsthaus in Abensberg
Das Hundertwasser-Kunsthaus in Abensberg

Nach unserem Urlaub im Altmühltal haben wir noch einen Abstecher nach Abensberg gemacht. Auf dem Programm stand ein Besuch der Brauerei Kuchlbauer. Klingt nicht sehr spektakulär. Dass das gesamte Brauereigelände nach Plänen von Friedensreich Hundertwasser gestaltet wurde und die ganze Stadt Abensberg davon inspiriert wurde, das hat uns dann doch nachhaltig begeistert.

Kuchlbauer Turm Abensberg
Der Kuchlbauer Turm

Abensberg war jahrhundertelang eine unauffällige, landwirtschaftlich geprägte Stadt südwestlich von Regensburg. Sie war bekannt für Hopfen, Spargel, eine wunderschöne Altstadt und für ihre Brauereien. Eine davon war die Weißbier-Brauerei Kuchlbauer.

 

Soweit, so gut. Nun stelle man sich vor, dass der hiesige Brauereibesitzer, im speziellen Fall Leonhard Salleck, zugleich ein großer Verehrer von Friedensreich Hundertwasser ist. Mit viel Kapital und Begeisterungsfähigkeit lässt dieser Leonhard Salleck nach den Plänen von Hundertwasser, mitten auf dem Brauereigelände, einen riesigen Turm errichten. Darüber hinaus entwirft der Hundertwasser-Architekt Peter Pelikan ein architektonisch spektakuläres Kunsthaus. Im Jahr 2009 ist genau dies in Abensberg geschehen.

Kunst in Abensberg
Kunst in Abensberg

Was macht das mit einer Stadt? Das Abensberg, das wir und unsere Kinder kennengelernt haben, hat uns nachhaltig begeistert. Die ganze Stadt – ohnehin durch die gut erhaltene mittelalterliche Altstadt ein kleines Juwel – ist inzwischen ein einziges Kunstwerk. Bei unserem Spaziergang durch Abensberg haben wir rosa Regenschirme, kopfüber auf der Abens schwimmend bestaunt. Wir haben die Kunst-Ausstellung entlang der alten Stadtmauer besichtigt. Und haben überall in der Stadt Kunst-Elemente im Stil von Hundertwasser entdeckt. 

Mittelalter, bayerische Kultur und moderne Kunst sind in Abensberg vereint
Mittelalter, bayerische Kultur und moderne Kunst sind in Abensberg vereint

Doch zunächst hatten wir das Glück, dass unsere Gastgeber, Moritz und Konstantin, als Preise bei einem Malwettbewerb freien Eintritt ins Kunsthaus für zwei Familien gewonnen hatten. Als erste Station schauten wir uns also das Kunsthaus beim Kuchlbauer an. Das ganze Haus ist rund um einen über mehrere Etagen nach oben strebenden, vergoldeten Baumstamm gebaut. Die Architektur stammt vom Hundertwasser-Schüler Peter Pelikan und war für unsere Kinder sehr beeindruckend. Auf den vielen Etagen sind viele der Bilder von Hundertwasser, Architekturmodelle seiner Projekte und weitere Erinnerungsstücke aus dem Leben von Friedensreich Hundertwasser zu bestaunen. 

Zudem wird in einem kleinen Kino im Keller des Hauses das Werk des Künstlers sehr schön und auch für Kinder verständlich erklärt. Unser Leo war jedenfalls nach dem Besuch im Kunsthaus so inspiriert, dass wir ihm in der Garage ein eigenes Maler-Atelier einrichten mussten. Und die Mama ist seitdem damit beschäftigt, ihm aus Naturprodukten Farben anzurühren. Schade, dass wir keinen Termitenbau hinterm Haus haben. Mit dessen Ockerfarben hat nämlich Hundertwasser gerne gemalt.

Nach dem Besuch im Kunsthaus haben wir uns im schönen Biergarten der Brauerei am Fuße des Kuchlbauer-Turmes gestärkt. Den Turm selbst kann man nur im Rahmen einer Brauereiführung betreten, da die Aussicht dort oben grandios sein soll, heben wir uns dies für das nächste Mal auf. Auch von außen gibt es für die Kinder einiges zu entdecken. Im Turm ist nämlich eine kleine Zwergen-Wohnung eingerichtet, in die man durch kleine Fenster hineinschauen kann.

Anschließend haben wir noch den Stadtspaziergang entlang der Abens in die Altstadt hinein gemacht. Der Weg führt an einem großen Spielplatz vorbei und in der gesamten Stadt gab es zahllose Kunstprojekte zu entdecken.

 

Am faszinierendsten fand ich den Gedanken, wie sich eine Stadt mit einem Mal durch die Vision eines Brauereibesitzers verändert. „Schönheit kann die Welt retten“, war einer der Leitsprüche von Hundertwasser. War Abensberg schon vorher schön, so hat die Schönheit mit dem Kuchlbauer-Turm nun einen weiteren modernen, künstlerischen Aspekt hinzu gewonnen. Und seitdem verändert sich die Stadt, mehr und mehr Kunst entsteht. Die Stadt wird von Jahr zu Jahr (noch) schöner. Und das großartige: Es funktioniert. Die Touristen (wie wir) kommen und bestaunen die visionäre Kraft, die mit Hundertwasser in die Mittelalter-Stadt eingekehrt ist.

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